„Impingement“ – was bedeutet das, woher kommt es und was kann ich dagegen tun?

Das Schulter-„Impingement“, heute als SAPS (subacromial pain syndrome bzw. subakromiales Schmerzsyndrom) bezeichnet, tritt auf, wenn die Sehnen der Rotatorenmanschette und/oder der Schleimbeutel unterhalb des Schulterdaches Schmerzen auslösen. Dies kann zu Schmerzen und Einschränkungen bei der Bewegung der Schulter führen.

Diesen Blogbeitrag habe ich geschrieben, um ein bisschen Klarheit rund um das Thema „Impingement“ zu schaffen, das Beschwerdebild zu erklären und mit gängigen Mythen und fälschlichen Annahmen aufzuräumen.

Symptome eines Schulter-Impingements

Personen, die zu mir in die Praxis kommen haben häufig diese typischen Symptome, die auf ein Schulter-„Impingement“ hinweisen können:

  • Schmerzen im vorderen oder seitlichen Bereich der Schulter, insbesondere bei Bewegungen über Kopf

  • Einschränkungen der Schulterbeweglichkeit

  • Schmerzen, die nachts stärker werden und das Liegen auf der betroffenen Schulter erschweren

  • Eine Schwäche im betroffenen Arm, besonders bei Bewegungen wie dem Anheben des Arms zur Seite oder nach vorne

 

Ursachen des Schulter-„Impingements“

Früher wurde davon ausgegangen, dass gewisse Strukturen bei gewissen Bewegungen unter dem Schulterdach zwischen dem Schulterdach und dem Oberarmkopf „eingequetscht“ werden und deswegen Schmerzen entstehen – deswegen der Name „Impingement“ (Deutsch: einklemmen).

Heute ist die Forschung ein bisschen weiter. Studien konnten keinen Zusammenhang zwischen Schmerzen unter dem Schulterdach und dem Abstand zwischen Schulterdach und Oberarmkopf feststellen (1). Sogesehen kann ein „Einklemmen“ der Sehnen oder Schleimbeutel nicht zu dieser Art von Schmerzen führen. Aus diesem Grund wurde der Name „Impingement“ durch die Abkürzung SAPS ersetzt (= subacromial pain syndrome bzw. subakromiales Schmerzsyndrom). Die Schmerzen werden noch immer durch Sehnen oder Schleimbeutel unterhalb des Schulterdaches provoziert, allerdings sind die wahren Ursachen viel komplexer.


“Impingement“ oder SAPS?

Schmerzen bzw. Probleme entstehen bei diesem Schmerzbild unterhalb des Schulterdaches
(= Akromion). Dort sind in einem kleinen Bereich viele sensible Strukturen - für die optimale Therapie ist eine gezielte Diagnose wichtig.

 

Faktoren, die zu einem SAPS führen können (auch eine Kombination aus mehreren Faktoren ist möglich):

  • Bewegungseinschränkungen (2)

  • Kraft- und Koordinationsprobleme (2)

  • Genetische Neigung zu SAPS (3)

  • Veränderungen der Rotatorenmanschette, die Schmerzen provozieren (3)

  • Schlafstörungen und kurze Schlafdauer (4)

  • Körperlich anstrengende Arbeit (4)

 

Behandlungsmöglichkeiten

Prinzipiell hängt die Behandlung des SAPS von den auslösenden Faktoren ab.

Konservative Therapie:

Ein Großteil der Studien betont die Bedeutung konservativer Behandlungsmethoden, insbesondere der Physiotherapie. Eine systematische Übersichtsarbeit fand heraus, dass sowohl spezifische als auch allgemeine Übungsprogramme positive Effekte auf die Schulterfunktion haben können. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass die Schmerzintensität und psychosoziale Faktoren wie Kinesiophobie (Bewegungsangst) eine Rolle bei dem Therapieerfolg spielen können. (5)

Operative Therapie:

Im Verhältnis zur konservativen Physiotherapie zeigt eine operative Therapie eines SAPS keine besseren Ergebnisse. Durch die Widerlegung der „Einklemmungs“-Theorie des „Impingement“ hilft auch ein Abschleifen des Schulterdaches nicht gegen die Probleme des SAPS sofern keine anderen strukturellen Verletzungen aufzufinden sind (z.B. Risse der Sehnen der Rotatorenmanschette). (6)

  

Fazit

Ein Schulter-„Impingement“ kann schmerzhaft und einschränkend sein, doch mit der richtigen Diagnose und Therapie sind die Heilungschancen sehr gut. Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung und Prävention dieser Schmerzen und Probleme. Solltest du Anzeichen eines SAPS bei dir bemerken, solltest du dir einen Termin für Physiotherapie vereinbaren. Gemeinsam können wir einen individuellen Behandlungsplan erstellen, der dir hilft, schnell wieder schmerzfrei zu werden.

 

 

 

1.    Park, S. W., Chen, Y. T., Thompson, L., Kjoenoe, A., Juul-Kristensen, B., Cavalheri, V., & McKenna, L. (2020). No relationship between the acromiohumeral distance and pain in adults with subacromial pain syndrome: a systematic review and meta-analysis. Scientific reports10(1), 20611. https://doi.org/10.1038/s41598-020-76704-z 

2.    Björnsson Hallgren H. Treatment of Subacromial Pain and Rotator Cuff Tears [dissertation]. Linköping University Sweden. 2012.

3.    Liu, L., Yang, F., Liao, Y. et al. Exploration of causal relationship between shoulder impingement syndrome and rotator cuff injury: a bidirectional mendelian randomization. BMC Musculoskelet Disord 25, 649 (2024). https://doi.org/10.1186/s12891-024-07556-1

4.    Lv, Z., Cui, J., Zhang, J. et al. Lifestyle factors and subacromial impingement syndrome of the shoulder: potential associations in finnish participants. BMC Musculoskelet Disord 25, 220 (2024). https://doi.org/10.1186/s12891-024-07345-w

5.    Gutiérrez Espinoza H, Araya-Quintanilla F, Pinto-Concha S, et al. Specific versus general exercise programme in adults with subacromial impingement syndrome: a randomised controlled trial BMJ Open Sport & Exercise Medicine 2023;9:e001646. doi: 10.1136/bmjsem-2023-001646

6.    Dhillon K. S. (2019). Subacromial Impingement Syndrome of the Shoulder: A Musculoskeletal Disorder or a Medical Myth?. Malaysian orthopaedic journal, 13(3), 1–7. https://doi.org/10.5704/MOJ.1911.001

 

Zurück
Zurück

„Kalkschulter“ – Alter, Abnutzung oder Problem?